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700 Seiten, 17 x 22 cm • Taschenbuch (Paperback)
EUR 29,90 • ISBN 978-3-940281-59-3

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Auch als E-Book erhältlich:

700 Seiten • EUR 19,99
ISBN 978-3-940281-60-9

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Karlheinz Jackstel
Ich-Geschichten und Selbst-Bilder
Von Autobiographien und Autobiographen

Warum sind unsere Erinnerungen so mächtig? Auf welche Weise bestimmen sie unser Selbstbild? Was geschieht, wenn wir zweifelnd unser „Ich“ im Spiegel der Erinnerungen suchen? Warum haben Lebensrückblicke eine ewige Konjunktur? Was fasziniert uns an fremden Erinnerungen? Was bewegt uns, Autobiografien zu lesen? Das Schreiben von Autobiografien begreift Professor Karlheinz Jackstel als eine der ältesten tradierten Kulturtechniken der Selbstvergewisserung und der Selbstdarstellung. Er ist überzeugt davon, dass keine andere literarische Gattung eine derartig facettenreiche Vielfalt an Mustern und Motiven aufweist wie die Autobiografie. Für ihn sind sie ebenso Dokumentationen wie Widerspiegelungen lebenslanger Lern- und Suchprozesse. Der Autor kann und will seinen erziehungswissenschaftlichen Hintergrund nicht verleugnen, aber sein Buch ist weder eine theoretische Abhandlung noch ein systematisierendes Lehrbuch. Es ist ein Buch, das, nun gegen Ende des eigenen Lebens, persönlichen Vorlieben Raum gibt. Es ist ein Buch der Spurensuche und der Begegnungen. Karlheinz Jackstel arbeitet nicht mit dem analytisch sezierenden Skalpell, sondern versucht, die Deutungshoheit über das eigene Leben zu respektieren und sich der Einzigartigkeit anderen Lebens mit den Antennen der Empathie zu nähern. Er versucht zu verstehen, statt zu werten.
So gleicht dieses Buch einer mäandrierenden Expedition durch fremde und uns doch oft so nahe Seelen- und Schicksalslandschaften, durch unterschiedliche Zeiten und geographische Räume, aber auch durch unser eigenes Bewusstsein. Es möchte so Lust machen auf das eigene Erinnern, auf den eigenen Lebensrückblick. Vielleicht kann es gar auf unterhaltsame und nachdenklich stimmende Weise ein Angebot unterbreiten, sich beim Lesen selbst in fremden Ich-Geschichten zu spiegeln und darin wiederzufinden.

 

Über den Autor:

Karlheinz Jackstel, geboren 1934 in einem altmärkischen Dorf, hat an sich selbst erfahren, dass ein langes Leben, ohne eigenes Zutun in drei verschiedenen Gesellschaftsordnungen, das Nachdenken über sich selbst ungemein beflügelt.  Man könnte dieses Beschwören, Sortieren und Gewichten der Erinnerungen auch als autobiographiqsche Reflexion bezeichnen: eine Kindheit unter dem Hakenkreuz, in der bereits dem Zehnjährigen am Ende des Tausendjährigen Reiches mehr Verantwortung zugemutet wurde,  als man sich heute gemeinhin vorstellen mag; eine Bau-auf–bau-auf-Jugend mit kollektivistischer Sozialisation unter dem Zeichen von Hammer, Zirkel und Ährenkranz, ein Studium und ein beruflicher Werdegang schließlich an der Martin-Luther-Universität in Halle, das Wort Karriere hat der Autor zeitlebens nicht zu buchstabieren gelernt; Erfahrungen schließlich mit den neuen Freiheiten, Erfahrungen mit  Abwicklungen und biographischen Brüchen, mit dem „Zauber“, der allen Anfängen innewohnen soll  – nun unter dem Zeichen des Bundesadlers. Da kommt einiges zusammen. An Erinnerungen jeglicher Art ist kein Mangel. Der Autor ist sich noch immer nicht  sicher, ob er all diese Erfahrungen machte oder ob die Erfahrungen ihn machten: Erfahrungen in Klassenzimmern als Lehrer, später als Hochschullehrer für Hochschulpädagogik und Erwachsenenbildung, in Bibliotheken und Archiven, in Seminarräumen und auf dem Katheder, letzteres in vielen Orten und auch in anderen Ländern, Erfahrungen im Senatsaal, in Leitungsgremien, auf Podien, als Autor mit Redaktionen und Verlagen, die es längst nicht mehr gibt, regelmäßig vor dem Mikrofon im Rundfunkstudio, dann vor einer Evaluierungskommission mit vorgefertigtem Urteil, als Bittsteller auf dem Arbeitsamt, frei schwebend als Dozierender in diversen Fortbildungseinrichtungen, seriösen und nichtseriösen, und immer wieder zu Hause am Schreibtisch bzw. vor dem Laptop. Der Autor hat einiges publiziert u.a. über die Notwendigkeit eines lebenslangen Lernens. Er versucht, es bewusst selbst zu leben. Er hat  sich angewöhnt inzwischen, das Unterwegssein zu mögen und jegliches Ankommen zu meiden. Aber er hat sich dabei die Neugier auf das Leben bewahrt, auch  auf das der Anderen und damit vor allem den Respekt gegenüber dem je anderen Umgang mit den individuellen Erinnerungen, die jedes gelebte Leben spiegeln. Aus dieser Intention heraus ist nun gegen Ende des eigenen Lebens das vorliegende Buch entstanden – keine Autobiographie, aber durchaus autobiographisch.